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Frei wie ein Adler
„Hast Du Lady
mitgebracht, wo ist sie?“ Mandy blickte sich fragend um. „Ach Du meine Güte,
die hab ich doch glatt im Auto vergessen“. Kno erhob sich und eilte zum Wagen. Sachte
holte er das Adlerweibchen aus dem Kofferraum und stellte sie auf dem großen
Terrassentisch ab. Als er das Tuch abhob blickte ein Adleraugenpaar neugierig
in die Runde. Ein krächzender Schrei war der Willkommensgruß an die Runde. Die
Neufundländer hoben nur kurz den Kopf und Tinni, Mandy´s Katze, blieb ungerührt auf Mandy´s
Schoß liegen, den Adler jedoch fest im Blick. „Na sie sieht ja schon ganz gut
aus, hol sie mal raus“ meinte Mandy und Kno öffnete vorsichtig den Einstieg.
Lady ließ sich nicht zweimal bitten und hüpfte ohne Flügelschlag in die
Tütöffnung. Ein weiterer Sprung und sie saß auf dem
Tisch. „Meinst Du nicht, dass sie wegfliegt?“ fragte Kno doch Mandy schüttelte
den Kopf. „Nein, ich glaube sie ist noch zu schwach und wenn nicht, wird sie
sich auch sicher um sich selbst kümmern können.“ Kno war etwas unsicher als der
Adler auf ihn zumarschierte und ihn kurz aber bestimmt ankrächzte. „ Hat wohl
noch Hunger die Dame, ich hab noch was im Wagen.“ Kno ging zum Wagen und fand
außer dem Adlerfutter noch die Schollenfilets. „Ach, hat ich ganz vergessen.
Sollte unser Mittagessen werden“ winkte er Mandy zu. Mit reichlich Fisch
bewaffnet setzte er sich wieder auf die Bank und packte das Adlerfutter aus.
„Was ist das denn alles?“ wollte Mandy wissen. „Unser Mittagessen“ grinste Kno
und sah sich lachend nach einem Grill um. Lady hingegen visierte die kleinen
Fische an und bevor Kno loslegen konnte, hatte sich die feine Dame schon selbst
bedient. Der Fischgeruch rief auch Tinni auf den
Plan. Vorsichtig näherte sie sich der Tischkante und versuchte mit einer Pranke
auch einen Fisch zu ergattern. Lady breitete ihre mächtigen Schwingen aus und
brachte sich mit einem Fisch in Sicherheit. Sie landete genau gegenüber auf dem
Stallbalken und verspeiste genüsslich ihre Beute. Erstaunt blickte nicht nur
die Katze sonder auch Kno hinüber und brachte kein Wort mehr heraus. „Keine
Sorge, die kommt gleich nochmal“, sagte Mandy und
freute sich über die gelungene Flugeinlage von Mandy. Tatsächlich startete Lady
nach der Vorspeise durch und landete mit mächtig viel Wind auf dem
Terrassentisch. Ein lauter Schrei, eine fliehende Katze, natürlich auch mit
Beute, und die Adlerdame hatte erneut einen Fisch
gegriffen. So schnell wie sie gekommen war sie auch schon wieder auf dem
Balken. „Na das scheint ja ihr Lieblingsplatz zu werden.“ Mandy lachte und
schaute Kno freudig an. Ihr Blick blieb ruhig auf Kno´s Gesicht haften und sie
betrachtete ihn sehr intensiv. Kno wurde es fast unheimlich, doch auch er
konnte seinen Blick nicht von ihr lassen und es war ihm als wollte er
zerbersten. „Ich kenn Dich schon sehr lange und freue mich Dir jetzt endlich
begegnet zu sein. Es gibt, so sagt man für jeden Menschen genau zwei Menschen
auf der ganzen Welt, die zu ihm passen. Dass man einen dieser Menschen findet
ist recht unwahrscheinlich und so gibt man sich mit dem Drittbesseren auch
zufrieden, oder auch nicht. Ich habe mich nie mit dem Drittbesseren zufrieden
gegeben und deshalb bin ich mit 36 noch allein. Bei Dir fühle ich die Magie,
die dieses Gefühl ausmacht eine der Beiden gefunden zu haben. Ich habe Dich
gestern gesehen und gespürt. Ich denke was Du denkst und fühle was Du fühlst.
Ich bin in Dir und Du in mir. Psst, sag jetzt nichts, ich kann Dein Herz bis
hierher schlagen hören.“ Mandy nahm seine Hand und legte ihre in die seine und
lehnte sich an ihn. Kno spürte auch ihr Herz heftig schlagen und nahm sie fest
in den Arm. Es ist wie es ist und alles was Mandy gesagt hatte und auch nicht
waren seine Gedanken, seine Gefühle und eine warme Welle verschlang beide
zeitvergessen und im freien Fall.
Lady hatte
inzwischen wieder ihre Beute verspeist und hüpfte auf dem Holzbalken hin und
her. Ihre Augen schienen den Tisch zu überprüfen, ob dort vielleicht noch etwas
Essbares zu finden wäre. Weder Kno noch Mandy achteten darauf wie das große
Tier mit einem Schwung über den Tisch strich und wie im Vorbeigehen die in
rötliches Packpapier eingewickelten Schollenfilets griff. Erst alles alles vorbei war und auf sie sicher auf den Balken
zurückkehrte wurden sich Mandy und Kno der Situation bewusst. Mandy lachte
herzhaft und fasste Kno noch fester um. „Das kann ja noch heiter werden. Ich
glaube unsere Lady macht so was nicht zu ersten mal.“ „Nein,
scheint als würde sie alle Tricks und Kniffe kennen“, meinte Kno und sah Mandy
strahlend an. „Weißt Du eigentlich, dass sie mich heute morgen
gedüngt hat? Elli meinte das bringe Glück und ich glaube sie hatte nicht ganz
Unrecht. Wenn ich jetzt ein Adler wäre, würde ich mit Dir in den Himmel fliegen
und Dir die Wolken von oben zeigen.“ Kno war sehr glücklich und konnte sein
Glück gar nicht fassen. Wie lange schon hatte auch er auf so einen Moment
gehofft. Liebe auf den ersten Blick? Nein, eher das Gefühl den anderen schon
lange zu begehren.